Schweizer Alpen Club Sektion Manegg Zürich
Eisklettern mit Em(a)il 23./24. Januar 2010

Was kursierten für Geschichten um abgefrorene Finger, Nasen, Ohren, Temperaturen von minus 15°C und darunter, die sich anfühlen sollten wie minus 30°C, da man ja viel warten und sichern müsse. Man solle alle seine Handschuhe mitbringen – glücklicherweise hat niemand eine Sammlung wie Paris Hilton Schuhe.

Aber von alldem lassen sich 12 tapfere Bergfreunde nicht abschrecken und finden sich um 6 Uhr am Samstagmorgen pünktlich und vollständig ausgerüstet bei der Sihlpost zur Abfahrt ein. Vermutlich verdanken wir dies den fünf identischen Emails von Emil zur Ausrüstung und Organisation. Etwas mehr als 2 1/2 Stunden später versammelt sich die ganze Gruppe, wohlbehalten eingetroffen und schon umgezogen, vor dem Hotel - einige Unerfahrene in froher Erwartung eines Kaffees nebenan in der Beiz. Aber nein, Kaffee trinken könne man auch daheim heisst es und so geht’s auch schon los. Auf der Anfahrt müssen natürlich einige spektakuläre Klettertouren bestaunt werden, wie der Thron. Nach kurzem Abstieg wird in einer idyllischen kleinen Schlucht das Lager aufgeschlagen. Die aufkommenden klammen Finger bekämpfen wir erfolgreich mit Emils legendären Hammerschwüngen, professionell ergänzt durch Bettinas Aufwärmübungen. Und dann geht es nach ein paar kurzen Erläuterungen auch gleich los, denn Ladi hat in der Zwischenzeit ein halbes Dutzend Routen zum Toprope-klettern eingerichtet. Die Eisqualität ist unterschiedlich; von sehr gut bis spröde und so kann jeder erste Erfahrungen sammeln oder sich im Vorstieg üben. Zwischendurch übt sich der motivierte und ambitionierte Eiskletterer natürlich im Setzen von Eisschrauben, Auf- und Abbau von Ständen sowie im Bohren von Sanduhren fürs Abseilen. Kurz gesagt, die Zeit bis Mittag verfliegt wie im Nu. Zur grossen Überraschung gibt es heisse Reissuppe, einfach köstlich! Inzwischen sind unser Lagerplatz, sowie Teile der Eiswand in helles Sonnenlicht getaucht. Kälte hat wirklich niemand verspürt.

Am Nachmittag geht das Üben weiter und als Herausforderungen gibt es noch zwei Mixedrouten dazu. Jetzt wird auch darauf Wert gelegt, nur so wenig Eis wie möglich herauszuschlagen, das scheint zum guten Stil und zur hohen Kunst zu gehören, von der Sicherheit des Kletterpartners gar nicht zu reden. Nach einem hervorragenden Abendessen, sehen wir uns in einem Video die hohe Schule des österreichischen Eiskletterns an und lernen dabei auch einen Einheimischen etwas näher kennen. Zum Schluss wird noch die Order für den nächsten Morgen ausgegeben: Frühstück ab frühestens 7, Abfahrt in kompletter Ausrüstung um 7:30h, um nicht zu spät zu den Kletterstellen zu kommen. Doch im spektakulären Eisfall ist eine Route von unserem Einheimischen noch vom letzten Tag installiert und eine erste Gruppe hat auch schon die letzten strategischen Punkte wenige Minuten vor uns besetzt. Wir müssen wehmütig ein bisschen weiterziehen. Eine gewisse unausgesprochene Frustration ist zu spüren, aber so richtig will es sich keiner anmerken lassen. Wieder wird geklettert, im Toprope und im Vorstieg, allerdings nicht sehr hoch, doch die Formenvielfalt mancher Eisskulpturen lässt uns immer wieder voller Bewunderung innehalten. Wieder findet die Mittagspause an der Sonne bei Temperaturen um den Gefrierpunkt statt. Sie lädt zu einem Sonnenbad ein. Plötzlich verbreitet sich, dass wir die Plätze mit der ersten Gruppe tauschen: Es gibt kein Halten mehr; der hohe Eisfall ruft! Unten fängt er noch recht moderat an, steilt dann aber immer mehr auf. 25 bis 30 m bestes Eis. In kürzester Zeit hängen 3 unserer Seile herab, ein weiteres wird uns von unserem heute viel umgänglicheren Einheimischen überlassen. Wer will kommt auf seine Kosten. Handschuhe braucht man eigentlich nicht mehr. Aber es kommt doch die Zeit zum Aufhören. An der Materialtauschbörse findet jeder sein Material wieder und das trotz der vielen Rochaden auch mit den anderen Gruppen. Plötzlich: Emil zeigt voller Stolz seinen im letzten Jahr verschollenen Karabiner her – er hing noch immer in einem der Bäume! Bei einem letzten Trunk im Hotel lassen wir das Wochenende ausklingen und Emil verkündet, den Eiskletterkurs nächstes Jahr doch noch mal mit Ladi zusammen durchführen zu wollen. Wir nehmen ihn beim Wort, dass sie beide nochmals alles so perfekt vorbereiten und organisieren werden. Und eben, Eisklettern muss nicht unbedingt kalt sein.

 

 
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