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Was kursierten für Geschichten um abgefrorene Finger, Nasen,
Ohren, Temperaturen von minus 15°C und darunter, die sich anfühlen sollten wie
minus 30°C, da man ja viel warten und sichern müsse. Man solle alle seine
Handschuhe mitbringen – glücklicherweise hat niemand eine Sammlung wie Paris
Hilton Schuhe.
Aber von alldem lassen sich 12 tapfere Bergfreunde nicht
abschrecken und finden sich um 6 Uhr am Samstagmorgen pünktlich und vollständig
ausgerüstet bei der Sihlpost zur Abfahrt ein. Vermutlich verdanken wir dies den
fünf identischen Emails von Emil zur Ausrüstung und Organisation. Etwas mehr
als 2 1/2 Stunden später versammelt sich die ganze Gruppe, wohlbehalten
eingetroffen und schon umgezogen, vor dem Hotel - einige Unerfahrene in froher
Erwartung eines Kaffees nebenan in der Beiz. Aber nein, Kaffee trinken könne
man auch daheim heisst es und so geht’s auch schon los. Auf der Anfahrt müssen
natürlich einige spektakuläre Klettertouren bestaunt werden, wie der Thron.
Nach kurzem Abstieg wird in einer idyllischen kleinen Schlucht das Lager
aufgeschlagen. Die aufkommenden klammen Finger bekämpfen wir erfolgreich mit
Emils legendären Hammerschwüngen, professionell ergänzt durch Bettinas
Aufwärmübungen. Und dann geht es nach ein paar kurzen Erläuterungen auch gleich
los, denn Ladi hat in der Zwischenzeit ein halbes Dutzend Routen zum
Toprope-klettern eingerichtet. Die Eisqualität ist unterschiedlich; von sehr
gut bis spröde und so kann jeder erste Erfahrungen sammeln oder sich im
Vorstieg üben. Zwischendurch übt sich der motivierte und ambitionierte
Eiskletterer natürlich im Setzen von Eisschrauben, Auf- und Abbau von Ständen
sowie im Bohren von Sanduhren fürs Abseilen. Kurz gesagt, die Zeit bis Mittag
verfliegt wie im Nu. Zur grossen Überraschung gibt es heisse Reissuppe, einfach
köstlich! Inzwischen sind unser Lagerplatz, sowie Teile der Eiswand in helles
Sonnenlicht getaucht. Kälte hat wirklich niemand verspürt.
Am Nachmittag geht das Üben weiter und als Herausforderungen
gibt es noch zwei Mixedrouten dazu. Jetzt wird auch darauf Wert gelegt, nur so
wenig Eis wie möglich herauszuschlagen, das scheint zum guten Stil und zur
hohen Kunst zu gehören, von der Sicherheit des Kletterpartners gar nicht zu
reden. Nach einem hervorragenden Abendessen, sehen wir uns in einem Video die
hohe Schule des österreichischen Eiskletterns an und lernen dabei auch einen Einheimischen
etwas näher kennen. Zum Schluss wird noch die Order für den nächsten Morgen
ausgegeben: Frühstück ab frühestens 7, Abfahrt in kompletter Ausrüstung um
7:30h, um nicht zu spät zu den Kletterstellen zu kommen. Doch im spektakulären
Eisfall ist eine Route von unserem Einheimischen noch vom letzten Tag
installiert und eine erste Gruppe hat auch schon die letzten strategischen
Punkte wenige Minuten vor uns besetzt. Wir müssen wehmütig ein bisschen
weiterziehen. Eine gewisse unausgesprochene Frustration ist zu spüren, aber so
richtig will es sich keiner anmerken lassen. Wieder wird geklettert, im Toprope
und im Vorstieg, allerdings nicht sehr hoch, doch die Formenvielfalt mancher
Eisskulpturen lässt uns immer wieder voller Bewunderung innehalten. Wieder
findet die Mittagspause an der Sonne bei Temperaturen um den Gefrierpunkt
statt. Sie lädt zu einem Sonnenbad ein. Plötzlich verbreitet sich, dass wir die
Plätze mit der ersten Gruppe tauschen: Es gibt kein Halten mehr; der hohe
Eisfall ruft! Unten fängt er noch recht moderat an, steilt dann aber immer mehr
auf. 25 bis 30 m bestes Eis. In kürzester Zeit hängen 3 unserer Seile herab,
ein weiteres wird uns von unserem heute viel umgänglicheren Einheimischen
überlassen. Wer will kommt auf seine Kosten. Handschuhe braucht man eigentlich
nicht mehr. Aber es kommt doch die Zeit zum Aufhören. An der Materialtauschbörse
findet jeder sein Material wieder und das trotz der vielen Rochaden auch mit
den anderen Gruppen. Plötzlich: Emil zeigt voller Stolz seinen im letzten Jahr
verschollenen Karabiner her – er hing noch immer in einem der Bäume! Bei einem
letzten Trunk im Hotel lassen wir das Wochenende ausklingen und Emil verkündet,
den Eiskletterkurs nächstes Jahr doch noch mal mit Ladi zusammen durchführen zu
wollen. Wir nehmen ihn beim Wort, dass sie beide nochmals alles so perfekt
vorbereiten und organisieren werden. Und eben, Eisklettern muss nicht unbedingt
kalt sein.
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