Schweizer Alpen Club Sektion Manegg Zürich
Ostern im Simplongebiet 2.- 5. April 2010

Foto: Urs D.

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Eine Frau im Massenschlag, ganz allein. Hörner spitz und breit. (Horn-)Ochsen, Esel, Hirsch- und Kachelmänner. Über Wechten stürzende Skilehrer, gebrochene Daumen und brennende Hüüskaffees. Kurzum: Es war wahrlich grosses Osterkino, diese 4 Tage im Simplongebiet.

 „Wo stecken die Manegger und welches Abteil ist reserviert?“ Urs Dreher, unser Gast aus der Sektion Baldern meinte, dass er die Reise alleine antreten müsse, bevor er Stefan und Myriam auf dem Perron traf. Ian, Jonathan und Carl bildeten den internationalen Kern in der 13-köpfigen Üsserschwyzer Gruppe und als dann Pascal aus dem Wallis auf dem Simplonpass zur Gruppe stiess, war auch die echte Schweiz vertreten.

 Aufgrund der schönen Verhältnisse konnte der Tourenleiter, Urs Donzé, der Versuchung namens Breithorn nicht widerstehen und änderte kurzfristig die Planung. Ein knapp fünfstündiger Aufstieg auf das 3438 Meter hohe Breithorn lag vor uns. Die geplante Einführungstour auf das Spitzhörli mit einem halb so langen Aufstieg musste warten. Urs ging voraus und Werner, der zweite Tourenleiter, machte den Schluss. Die Schlüsselstelle, eine steile Traverse am Fuss des Nordgrats vom Hübschhorn, passierten wir problemlos. Es fehlten noch 100 Höhenmeter bis zum Gipfel als wir den Monte Leone links liegen liessen und direkt auf das Breithorn lossteuerten. Oben angekommen, überraschte uns ein atemberaubendes Panorama, das Urs mit lehrerischer Genauigkeit und Geduld erklärte. Nun wartete eine lange Abfahrt, die alle trotz wackeligen Beinen geniessen konnten.

 Das Hotel Ganterwald sollte für die nächsten drei Nächte unsere Unterkunft sein. Die Platzverhältnisse im Massenlager waren sehr grosszügig und weil sich einige fürs komfortablere Doppelzimmer entschieden hatten, gab es zwei getrennte Schläge: Einen für die Männer und der andere für Yvonne. Vier Duschen und zehn Matratzen für eine Frau; das nennt man auch Bergsuite! Die open-door-policy nahm diesem Umstand aber das Elitäre und verhinderte, dass sich Yvonne gar zu alleine fühlte. Bei Weissbier und Fisch sassen wir dann noch gemütlich zusammen und Werner informierte über die Tour am nächsten Tag. Die Stimmung war heiter und so brannten die Hüüskaffees bis zur späten Stunde. Daniel beschloss den reizvollen Tag an der Bar bei der Maid. Urs Donzé stellte aber schnell mal klar: Du bist kein Hirsch, Mann!

 Es war Samstag und der grosse Tag für die Fischhäute. Nicht diejenigen, die wir gestern zum Abendessen hatten, sondern diejenigen, die in etwas mehr als einer Stunde 1000 Höhenmeter zurücklegen. Unweit vom Hotel Ganterwald war der Rennstart. Wir liessen uns nicht beirren und starteten unsere Tour auf das Mäderhorn. 800 Höhenmeter, vier „horny turns“ (Spitz-Kehren, speziell für Carl aus NZ übersetzt) und die wohl schönste Abfahrt lagen vor uns. Auf dem Gipfel wollte Yvonne mit dem Brauch vom Gipfelkuss brechen und kreierte eine neue Regel, wonach Gipfelküsse erst ab 1000 Höhenmeter verteilt werden. Sie wurde dann aufgrund der versammelten Männerauswahl trotzdem schwach. Die Abfahrt war so pulvrig, dass sich eine siebenköpfige Gruppe an einen zweiten Aufstieg machte. Werner übernahm wieder das Kommando und enttäuschte uns nicht. Nach einer weiteren wunderschönen Abfahrt steuerte er uns zielsicher und auf direktem Weg in Hotel zurück. Beim abendlichen Gesellschaftsspiel "Ochs und Esel" konnten dann die Strategen unter uns brillieren. Ian musste erfahren, dass man sich auch mit einem gebrochenen Daumen zum Esel machen lassen kann. Das Abendessen war kaum serviert, musste Urs Dreher auf die Toilette eilen. Dies sollte nicht das letzte Mal sein und es war der Anfang von seinem Leiden. Während den nächsten zwei Tagen machte sich Urs einen Namen als „Pfundskerl“. Der Fäkal-Talk begleitete uns bis am Schluss.

 Für Sonntag waren 30 bis 50 cm Neuschnee angesagt. Dies würde die Lawinengefahr, die bereits auf einem niedrigen Erheblich war, nochmals erhöhen. Aus dem vielen Schnee wurde dann nichts und wir starteten trotz schlechten Sichtverhältnissen die Suche nach dem Spitzhorli. Mit dem Bus fuhren wir auf den Simplonpass. Wie es sich herausstellte, hatte der Chauffeur das gestrige Fischhautrennen in 1h14 Minuten für sich entscheiden können. Unsere österliche Suche war dann auch vom Erfolg geprägt: Wir hatten zwar keine Eier gefunden, Urs jedoch den Gipfel. Werner führte die Gruppe bei der Abfahrt an. Aber wo ist Werner? Wie vom Erdboden verschluckt! Im Nebel wurde ihm eine Wechte zum Verhängnis und er stürzte einige Meter ins Leere, aber ohne sich zu verletzen. Weiter unten machte es ihm Carl nach, nach dem Motto: Was der Skilehrer kann, kann ich schon lange. Wieder festen Boden unter den Füssen, gönnten wir uns eine Stärkung im Restaurant Monte Leone. Die Betreiberin reizte uns mit ihrem Mini-Jupe, den schlanken Beinen und auch als sie den Mund aufmachte und Pascal massregelte: „Wir haben Regeln! Füsse gehören nicht auf den Stuhl!“

Bei Gitzi und Kartoffeln liessen wir den Ostersonntag ausklingen. Angeregte Diskussionen über den Schrebergarten von Jonathan und den grössten Affen auf der Welt wurden geführt (bis jetzt sind sich Stephan und Daniel nicht einig, ob der Orang-Utan oder der Gorilla grösser ist). Die Diskussionen fanden aber ein schnelles Ende und ein Grossteil der Gruppe zog sich ins Zimmer zurück, als Urs die morgige Tour ankündete: Monte Leone von hinten mit Skidepot. Frühstück: 5 Uhr.

 Um 6 Uhr liefen wir im Dunkeln los. Es stürmte und es war kalt. Nach gut einer Stunde Aufstieg kamen wir zur freitäglichen Schlüsselstelle. Heute war sie nicht mehr passierbar: Der Wind hatte den Pulverschnee in die Mulde geweht: Triebschnee - zu gefährlich! Wir mussten umdrehen! Die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg war gross. Im Restaurant plante Urs kurzum eine neue Route auf das Wyssbodehorn. Die 800 Höhenmeter konnten wir bei schönem, aber windigem Wetter, in Lawinenabständen, ohne Zwischenfälle meistern. Die Abfahrt nach Simplon Dorf war schön und wir hatten noch genügend Zeit um uns im Restaurant zu stärken, bevor wir um 15 Uhr den Heimweg nach Zürich antraten.

 Auf der Heimfahrt im Zug konnten wir uns dank den stinkenden Socken und Skischuhen ausgiebig breit machen, denn niemand kam auf die Idee, sich zu uns zu setzten. Nach zwei Stunden kamen wir zufrieden in Zürich an. Es war ein super Erlebnis! Ein grosser Dank geht an Urs und Werner für die akribische Planung und Vorbereitung. Urs hat nicht nur auf der Tour sondern auch sonst für gute Stimmung und lachende Gesichter gesorgt. Du bist ein Hirsch, Mann!

 Hier noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln für Ostern:

Regel 1: Yvonne vergibt Gipfelküsse erst ab 1000 Höhenmeter.

Regel 2: Im Simplongebiet findest du keine Eier, auch an Ostern nicht.

Regel 3: Auch Urs musst du nicht suchen! Er hat bloss Durchfall und muss grad wieder mal.

Regel 4: Die Wirtin im Restaurant Monte Leone findest du am schnellsten, wenn du deine Füsse auf einen Stuhl tust. Eine Begegnung mit ihr ist allerdings nicht zu empfehlen.

Regel 5: Behaupte nie Orang-Utans seien grösser als Gorillas. Sonst bekommst du ein Affentheater mit der Kripo. Eier legen ohnehin beide keine.

Regel 6: Hast du Schmerzen oder so, (Gen-)Erica (Zimmermann) hilft dir sowieso.

Regel 7: Du bist kein Hirsch, Mann!

 Yvonne B.


Bilder  

Fotos: Urs D.

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