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Foto: Urs D.

Eine Frau im Massenschlag, ganz allein. Hörner
spitz und breit. (Horn-)Ochsen, Esel, Hirsch- und Kachelmänner. Über Wechten
stürzende Skilehrer, gebrochene Daumen und brennende Hüüskaffees. Kurzum: Es
war wahrlich grosses Osterkino, diese 4 Tage im Simplongebiet.
„Wo stecken die Manegger und welches Abteil ist reserviert?“ Urs Dreher,
unser Gast aus der Sektion Baldern meinte, dass er die Reise alleine antreten müsse,
bevor er Stefan und Myriam auf dem Perron traf. Ian, Jonathan und Carl bildeten
den internationalen Kern in der 13-köpfigen Üsserschwyzer Gruppe und als dann
Pascal aus dem Wallis auf dem Simplonpass zur Gruppe stiess, war auch die echte
Schweiz vertreten.
Aufgrund der schönen Verhältnisse konnte der Tourenleiter, Urs Donzé,
der Versuchung namens Breithorn nicht widerstehen und änderte kurzfristig die
Planung. Ein knapp fünfstündiger Aufstieg auf das 3438 Meter hohe Breithorn lag
vor uns. Die geplante Einführungstour auf das Spitzhörli mit einem halb so
langen Aufstieg musste warten. Urs ging voraus und Werner, der zweite Tourenleiter,
machte den Schluss. Die Schlüsselstelle, eine steile Traverse am Fuss des Nordgrats
vom Hübschhorn, passierten wir problemlos. Es fehlten noch 100 Höhenmeter bis
zum Gipfel als wir den Monte Leone links liegen liessen und direkt auf das
Breithorn lossteuerten. Oben angekommen, überraschte uns ein atemberaubendes
Panorama, das Urs mit lehrerischer Genauigkeit und Geduld erklärte. Nun wartete
eine lange Abfahrt, die alle trotz wackeligen Beinen geniessen konnten.
Das Hotel Ganterwald sollte für die nächsten drei Nächte unsere
Unterkunft sein. Die Platzverhältnisse im Massenlager waren sehr grosszügig und
weil sich einige fürs komfortablere Doppelzimmer entschieden hatten, gab es
zwei getrennte Schläge: Einen für die Männer und der andere für Yvonne. Vier
Duschen und zehn Matratzen für eine Frau; das nennt man auch Bergsuite! Die
open-door-policy nahm diesem Umstand aber das Elitäre und verhinderte, dass
sich Yvonne gar zu alleine fühlte. Bei Weissbier und Fisch sassen wir dann noch
gemütlich zusammen und Werner informierte über die Tour am nächsten Tag. Die
Stimmung war heiter und so brannten die Hüüskaffees bis zur späten Stunde.
Daniel beschloss den reizvollen Tag an der Bar bei der Maid. Urs Donzé stellte
aber schnell mal klar: Du bist kein Hirsch, Mann!
Es war Samstag und der grosse Tag für die Fischhäute. Nicht diejenigen,
die wir gestern zum Abendessen hatten, sondern diejenigen, die in etwas mehr
als einer Stunde 1000 Höhenmeter zurücklegen. Unweit vom Hotel Ganterwald war
der Rennstart. Wir liessen uns nicht beirren und starteten unsere Tour auf das
Mäderhorn. 800 Höhenmeter, vier „horny turns“ (Spitz-Kehren, speziell für Carl
aus NZ übersetzt) und die wohl schönste Abfahrt lagen vor uns. Auf dem Gipfel
wollte Yvonne mit dem Brauch vom Gipfelkuss brechen und kreierte eine neue
Regel, wonach Gipfelküsse erst ab 1000 Höhenmeter verteilt werden. Sie wurde
dann aufgrund der versammelten Männerauswahl trotzdem schwach. Die Abfahrt war
so pulvrig, dass sich eine siebenköpfige Gruppe an einen zweiten Aufstieg
machte. Werner übernahm wieder das Kommando und enttäuschte uns nicht. Nach
einer weiteren wunderschönen Abfahrt steuerte er uns zielsicher und auf
direktem Weg in Hotel zurück. Beim abendlichen Gesellschaftsspiel "Ochs
und Esel" konnten dann die Strategen unter uns brillieren. Ian musste
erfahren, dass man sich auch mit einem gebrochenen Daumen zum Esel machen
lassen kann. Das Abendessen war kaum serviert, musste Urs Dreher auf die
Toilette eilen. Dies sollte nicht das letzte Mal sein und es war der Anfang von
seinem Leiden. Während den nächsten zwei Tagen machte sich Urs einen Namen als
„Pfundskerl“. Der Fäkal-Talk begleitete uns bis am Schluss.
Für Sonntag waren 30 bis 50 cm Neuschnee angesagt. Dies würde die
Lawinengefahr, die bereits auf einem niedrigen Erheblich war, nochmals erhöhen.
Aus dem vielen Schnee wurde dann nichts und wir starteten trotz schlechten Sichtverhältnissen
die Suche nach dem Spitzhorli. Mit dem Bus fuhren wir auf den Simplonpass. Wie
es sich herausstellte, hatte der Chauffeur das gestrige Fischhautrennen in 1h14
Minuten für sich entscheiden können. Unsere österliche Suche war dann auch vom
Erfolg geprägt: Wir hatten zwar keine Eier gefunden, Urs jedoch den Gipfel. Werner
führte die Gruppe bei der Abfahrt an. Aber wo ist Werner? Wie vom Erdboden
verschluckt! Im Nebel wurde ihm eine Wechte zum Verhängnis und er stürzte
einige Meter ins Leere, aber ohne sich zu verletzen. Weiter unten machte es ihm
Carl nach, nach dem Motto: Was der Skilehrer kann, kann ich schon lange. Wieder
festen Boden unter den Füssen, gönnten wir uns eine Stärkung im Restaurant
Monte Leone. Die Betreiberin reizte uns mit ihrem Mini-Jupe, den schlanken
Beinen und auch als sie den Mund aufmachte und Pascal massregelte: „Wir haben
Regeln! Füsse gehören nicht auf den Stuhl!“
Bei Gitzi und Kartoffeln liessen wir den Ostersonntag ausklingen. Angeregte
Diskussionen über den Schrebergarten von Jonathan und den grössten Affen auf
der Welt wurden geführt (bis jetzt sind sich Stephan und Daniel nicht einig, ob
der Orang-Utan oder der Gorilla grösser ist). Die Diskussionen fanden aber ein
schnelles Ende und ein Grossteil der Gruppe zog sich ins Zimmer zurück, als Urs
die morgige Tour ankündete: Monte Leone von hinten mit Skidepot. Frühstück: 5
Uhr.
Um 6 Uhr liefen wir im Dunkeln los. Es stürmte und es war kalt. Nach gut
einer Stunde Aufstieg kamen wir zur freitäglichen Schlüsselstelle. Heute war sie
nicht mehr passierbar: Der Wind hatte den Pulverschnee in die Mulde geweht:
Triebschnee - zu gefährlich! Wir mussten umdrehen! Die Enttäuschung über den
verpassten Aufstieg war gross. Im Restaurant plante Urs kurzum eine neue Route
auf das Wyssbodehorn. Die 800 Höhenmeter konnten wir bei schönem, aber windigem
Wetter, in Lawinenabständen, ohne Zwischenfälle meistern. Die Abfahrt nach
Simplon Dorf war schön und wir hatten noch genügend Zeit um uns im Restaurant
zu stärken, bevor wir um 15 Uhr den Heimweg nach Zürich antraten.
Auf der Heimfahrt im Zug konnten wir uns dank den stinkenden Socken und
Skischuhen ausgiebig breit machen, denn niemand kam auf die Idee, sich zu uns
zu setzten. Nach zwei Stunden kamen wir zufrieden in Zürich an. Es war ein
super Erlebnis! Ein grosser Dank geht an Urs und Werner für die akribische
Planung und Vorbereitung. Urs hat nicht nur auf der Tour sondern auch sonst für
gute Stimmung und lachende Gesichter gesorgt. Du bist ein Hirsch, Mann!
Hier noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln für Ostern:
Regel 1: Yvonne vergibt Gipfelküsse erst ab 1000 Höhenmeter.
Regel 2: Im Simplongebiet findest du keine Eier, auch an Ostern nicht.
Regel 3: Auch Urs musst du nicht suchen! Er hat bloss Durchfall und muss grad
wieder mal.
Regel 4: Die Wirtin im Restaurant Monte Leone findest du am schnellsten, wenn
du deine Füsse auf einen Stuhl tust. Eine Begegnung mit ihr ist allerdings
nicht zu empfehlen.
Regel 5: Behaupte nie Orang-Utans seien grösser als Gorillas. Sonst bekommst
du ein Affentheater mit der Kripo. Eier legen ohnehin beide keine.
Regel 6: Hast du Schmerzen oder so, (Gen-)Erica (Zimmermann) hilft dir sowieso.
Regel 7: Du bist kein Hirsch, Mann!
Yvonne B.
Bilder
Fotos: Urs D.




















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