Drei 3000er an einem Tag!
18 Maneggerinnen und Manegger rieben sich drei Stunden
früher als geplant verschlafen die Augen. Ob sich der Urs beim Herausschreiben
der Abfahrtszeit nicht doch extra verlugt hat, so dass die Warteliste möglichst
lang wurde und er sich mit der beliebtesten Tour brüsten kann? Auf jeden Fall
hielt der unverhofft frühe "Morgenaufstand" niemanden mehr davon ab,
den Piz Sardona in Angriff zu nehmen und so durften schlussendlich alle mit –
Urs ermunterte vor allem vom Blick auf eine hauptsächlich weibliche Warteliste.
Das Aufstehen zahlte sich schon bald aus, denn nach der ersten Beizeneinkehr,
bei der ein Kaffee im Schatten gerade noch erträglich war, machte uns der Wirt
einen Umweg derart schmackhaft, dass niemand den schattigen Weg entlang der
Tamina vorzog, sondern alle in Bruthitze eine Pferdealp empor stiefelten um
erst eine Rekordfichte zu bestaunen, deren Rekord zwar etwas unklar war, aber
sowohl Umfang als auch Höhe und Alter allemal beeindruckten. Danach konnten wir
gar einen Bartgeier in Aktion verfolgen! Auf der Malanseralp hat es nämlich
einen Horst mit drei ausgesetzten Bartgeiern. Einer der Forscher hielt uns
gleich einen kleinen Vortrag über ihre Arbeit und die aussergewöhnlichen Tiere.
Wieder im Tal schütteten wir literweise Rivella in unsere
Gurgeln um uns für den letzten, heissen Aufstieg zu wappnen, doch die
Erfrischung war von kurzer Dauer: Bald schon schmeckten die Lippen wieder
salzig. Als die über einem geschwungenen Felsband gelegene Hütte erreicht
worden ist, genossen wir die wunderbare Aussicht und den leichten Wind, Roland
nahm sogar noch eine Dusche unter dem nahen Wasserfall. Bald aber war der
leichte Wind zu stark zum Jassen, blies Ursis T-Shirt zu den Steinböcken und
vertrieb die letzten Gäste in die Stube. Von Blitzen und Hagel begleitet
verbrachten wir den restlichen Abend mit Jassen, Skat spielen (für die
Deutschen) und Diskutieren, bis wir das Stübli für die überzähligen Manegger
räumen mussten. Unsere Fraktion war nämlich so stark, dass einige keinen Platz
mehr im Massenlager gefunden hatten und dafür etwas kühler einen Stock tiefer
schnarchen durften.
Am Sonntagmorgen stiegen wir der glitzernden Tamina entlang
dem Sardonagletscher entgegen, den wir unangeseilt bis zur Schlüsselstelle,
einem Felsband, das es zu erklimmen galt, queren konnten. Während wir die durch
Urs mittels zwei fixen Seilen bestens abgesicherte Felsstufe hinaufkraxelten,
zogen unter uns zwei Langläufler ihre Runden auf dem Gletscher und die Glarner
Hauptüberschiebung schob brav vor sich hin. Oben angekommen bestiegen wir in
ein paar Stunden drei Dreitausender: Piz Sardona, Piz Segnas, Piz Dolf. Die Aussicht
auf das nahe Martinsloch, die stolzen Kurfürsten, den beeindruckenden Ringelspitz
und den omnipräsenten Tödi war toll! Dazwischen gabs zahlreiche amüsante
Rutschpartien im nassen Schnee, die Christian in berauschendem Tempo allesamt
gewann und Schneeballschlachten ohne klaren Sieger. Bei einer kurzen
Steilpassage kamen wir ohne T-Schlitz nicht weiter und auch die Pickelbremse aus dem
Sommergebirgskurs konnte geübt und das einzige Loch weit und breit knapp
umkurvt werden. Mit Blick auf den Segnasboden liefen wir auf den
blumenübersäten Cassonsgrat, von wo uns die Flimser Bergbahnen zu ihren gewohnt
stolzen Preisen ins Tal gondelten. Nicht mal Urs hat trotz seiner
beeindruckenden Bombenarsch-Show Rabatt bekommen. Völlig unverständlich.
Müde, aber überglücklich schaute ich am Abend den
ereignisarmen WM-Final und fragte mich, ob es die anderen nach 53 Minuten
Tschüttelen glotzen auch vorzogen von Geröll, Schnee und bravourösen Jasssiegen
zu träumen... Meine erste SAC-Tour jedenfalls war ein voller Erfolg!
Rahel N.
Bilder: Urs D.










|