Schweizer Alpen Club Sektion Manegg Zürich
Piz Sardona /Piz Segnes 10./11. Juli 2010

Drei 3000er an einem Tag!

18 Maneggerinnen und Manegger rieben sich drei Stunden früher als geplant verschlafen die Augen. Ob sich der Urs beim Herausschreiben der Abfahrtszeit nicht doch extra verlugt hat, so dass die Warteliste möglichst lang wurde und er sich mit der beliebtesten Tour brüsten kann? Auf jeden Fall hielt der unverhofft frühe "Morgenaufstand" niemanden mehr davon ab, den Piz Sardona in Angriff zu nehmen und so durften schlussendlich alle mit – Urs ermunterte vor allem vom Blick auf eine hauptsächlich weibliche Warteliste. Das Aufstehen zahlte sich schon bald aus, denn nach der ersten Beizeneinkehr, bei der ein Kaffee im Schatten gerade noch erträglich war, machte uns der Wirt einen Umweg derart schmackhaft, dass niemand den schattigen Weg entlang der Tamina vorzog, sondern alle in Bruthitze eine Pferdealp empor stiefelten um erst eine Rekordfichte zu bestaunen, deren Rekord zwar etwas unklar war, aber sowohl Umfang als auch Höhe und Alter allemal beeindruckten. Danach konnten wir gar einen Bartgeier in Aktion verfolgen! Auf der Malanseralp hat es nämlich einen Horst mit drei ausgesetzten Bartgeiern. Einer der Forscher hielt uns gleich einen kleinen Vortrag über ihre Arbeit und die aussergewöhnlichen Tiere.

Wieder im Tal schütteten wir literweise Rivella in unsere Gurgeln um uns für den letzten, heissen Aufstieg zu wappnen, doch die Erfrischung war von kurzer Dauer: Bald schon schmeckten die Lippen wieder salzig. Als die über einem geschwungenen Felsband gelegene Hütte erreicht worden ist, genossen wir die wunderbare Aussicht und den leichten Wind, Roland nahm sogar noch eine Dusche unter dem nahen Wasserfall. Bald aber war der leichte Wind zu stark zum Jassen, blies Ursis T-Shirt zu den Steinböcken und vertrieb die letzten Gäste in die Stube. Von Blitzen und Hagel begleitet verbrachten wir den restlichen Abend mit Jassen, Skat spielen (für die Deutschen) und Diskutieren, bis wir das Stübli für die überzähligen Manegger räumen mussten. Unsere Fraktion war nämlich so stark, dass einige keinen Platz mehr im Massenlager gefunden hatten und dafür etwas kühler einen Stock tiefer schnarchen durften.

Am Sonntagmorgen stiegen wir der glitzernden Tamina entlang dem Sardonagletscher entgegen, den wir unangeseilt bis zur Schlüsselstelle, einem Felsband, das es zu erklimmen galt, queren konnten. Während wir die durch Urs mittels zwei fixen Seilen bestens abgesicherte Felsstufe hinaufkraxelten, zogen unter uns zwei Langläufler ihre Runden auf dem Gletscher und die Glarner Hauptüberschiebung schob brav vor sich hin. Oben angekommen bestiegen wir in ein paar Stunden drei Dreitausender: Piz Sardona, Piz Segnas, Piz Dolf. Die Aussicht auf das nahe Martinsloch, die stolzen Kurfürsten, den beeindruckenden Ringelspitz und den omnipräsenten Tödi war toll! Dazwischen gabs zahlreiche amüsante Rutschpartien im nassen Schnee, die Christian in berauschendem Tempo allesamt gewann und Schneeballschlachten ohne klaren Sieger. Bei einer kurzen Steilpassage kamen wir ohne T-Schlitz  nicht weiter und auch die Pickelbremse aus dem Sommergebirgskurs konnte geübt und das einzige Loch weit und breit knapp umkurvt werden. Mit Blick auf den Segnasboden liefen wir auf den blumenübersäten Cassonsgrat, von wo uns die Flimser Bergbahnen zu ihren gewohnt stolzen Preisen ins Tal gondelten. Nicht mal Urs hat trotz seiner beeindruckenden Bombenarsch-Show Rabatt bekommen. Völlig unverständlich.

Müde, aber überglücklich schaute ich am Abend den ereignisarmen WM-Final und fragte mich, ob es die anderen nach 53 Minuten Tschüttelen glotzen auch vorzogen von Geröll, Schnee und bravourösen Jasssiegen zu träumen... Meine erste SAC-Tour jedenfalls war ein voller Erfolg!

Rahel N.



Bilder: Urs D.

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