Schweizer Alpen Club Sektion Manegg Zürich
Cristallina 21./22. März 2009
Bei herrlichstem Wetter fuhren wir zu sechst mit dem ersten Zug ins Tessin. In Ossasco, das unter dem Schnee kaum noch auszumachen war, schnallten wir die Skis an. Jedoch schon nach ein paar hundert Metern, im ersten steilen Wald, leisteten sie an den Händen bessere Dienste. Nach diesem Kaltstart ging’s über mässigere Hänge in flottem Tempo rauf zur Cristallinahütte. Da diese seit der grossen Lawine 200m höher steht und dort oben ein deftiger Wind blies, liessen wir es beim Hüttenanstieg für heute.

Die Hütte erschien uns sehr gastfreundlich: Achterzimmer, indoor-WC’s, viel Platz, feines Essen und nette Bedienung. Bergsteigen wird komfortabel (mal abgesehen von Ian’s Blasen an den Füssen).

Der erste Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen erfreute jedes Bergsteigerherz: wolkenloser Himmel! Beim zweiten Hinschauen jedoch nur noch die Windstopperfreaks: starker Wind peitschte um die Hütte!! Einige Mitkonkurrenten entschieden sich schon beim Frühstückskaffee zur Talvariante. Nicht so Leonie: voll motiviert verkündete sie uns den Tagesplan. Dann ging’s los. Jeder der nach draussen musste, präparierte sich wie für eine Mondlandung: Gore-Shell von Kopf bis Fuss, Kragen hoch, Kappe auf, Maske noch und Kaputze drauf. So standen wir mit Harscheisen in den Händen in der Schleuse und warteten auf den Absprung.

Trotz starkem Wind kamen wir gut voran. Immer wieder peitschte uns dieser aufgewirbelte Schneekristalle ins Gesicht. Wir erreichten den Grat mit den Skiern und stampften das letzte Stück zu Fuss bis zum Gipfel (2911m). Aus Freude über unseren Besuch behielt die Cristallina Leonies Mütze gleich als Andenken.

Nach der steilen, rassigen Abfahrt bestiegen wir noch die Cima di Lago (2833m). Die einzige Schwierigkeit dabei war, irgendwo eine halbwegs windgeschützte Mulde zu finden um zu rasten und etwas zu essen. Trotzdem wurde Tilman nicht müde, zauberte regelmässig vorgewärmte Akkus aus seiner Wäsche und fotografierte unbeirrt drauf los.

Nach kurzem Aufenthalt auf dem Gipfel ging’s über zwei steile Hänge und einen kurzen Gegenanstieg rein ins Val Piana. Hier löste sich auch Martins festgefrorene Zunge wieder, was uns alle freute, nachdem wir im Sturm auf seine unterhaltsamen Kommentare gänzlich verzichten mussten. Dafür verriet Lutz mir als Neumitglied ein paar Anekdoten des Clublebens. Über herrliche Hänge mit vereinzelten Pulvereinlagen ging’s hinunter zum Waldrand und per Waldstrasse bis fast nach Ronco.

Es war eine herrliche Tour mit zwei sonnigen Tagen und wirklich nie zu wenig Wind. Leonie hat hervorragend geplant und die Tour super geführt!

Mit brennenden Gesichtern und leuchtenden Augen fuhren wir per Poschti und Zug, von vielen Eindrücken begleitet, nach Hause.


Chris B.

 
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