Schweizer Alpen Club Sektion Manegg Zürich
Gspaltenhorn 12. /13. September 2009


Rocky Mountain: Hochtour ohne Eis am Gspaltenhorn

Nach der langweiligen Bahnfahrt rütteln uns im Postbus die letzten spektakulären Serpentinen vor der Griesalp wieder wach. Urs hat Riccarda, Christian, Wolfgang, Hans-Ruedi, Martin, Wolfgang, Benno und mich dabei; Marc hat sich noch für den Abend in der Gspaltenhornhütte angesagt. In knapp drei Stunden sind wir oben und haben damit das Tagespensum schon geschafft. Die Hütte ist rappelvoll – gegessen wird in zwei Schichten, an die 100 Schlafplätze und ein Wirtsraum wie ein Wohnzimmer. Sie liegt am „Börner-Overländ-Trail“; für viele Gäste ist sie das eigentliche Ziel.

Nach ein paar Bierchen oder Weinchen und ein paar Stunden ganz wohltuendem Schlaf geht es noch bei Dunkelheit über viel loses Geröll auf den Bütlassesattel, den wir gerade zum Morgengrauen erreichen. Von Sonnenaufgang ist aufgrund der relativ dichten Bewölkung erst einmal keine Rede. Noch von Nebel umgeben machen wir uns für den Kletterteil der Tour klar, wobei es bis auf den „Bösen Tritt“, den Vorgipfel des Gspaltenhorns, nur über Geröll und mässig steile und wenig exponierte Felsplatten geht. Die Steigeisen bleiben zunächst, und schliesslich auch für den Rest des Tages, im Rucksack.

Hinter dem „Bösen Tritt“ wird der Grat erstmals schmal, felsig und exponiert. In leichter Kletterei am kurzen Seil oder, wenn es steiler ist mit Zwischensicherungen, geht es zunächst wieder 50 Höhenmeter runter, dann durch eine schmale Furche und schliesslich zunehmend steiler auf den Gipfel des Gspaltenhorns. Einige Passagen sind mit Fixseilen gesichert, und an den Kletterstellen befinden sich griffige Taue, so dass sich keine erheblichen technischen Schwierigkeiten finden. Wir gehen und klettern im Wechsel von Klettersteigsicherung, kurzem Seil und Vorstiegssicherung. Auf dem Gipfel haben sich die Wolken weit genug für ein paar schöne Fotos zurückgezogen, sie geben für einige Momente den Blick zur Jungfrau und in die Blüemlisalp frei. Aber in den Tälern steht dicker Nebel, wie wir auch auf dem Heimweg noch bemerken werden.

Auf dem Abstieg heisst es, sich noch mal zu konzentrieren, denn die Kletterstellen sind runter nicht einfacher zu meistern als rauf. Am Bütlassesattel kommen sich manche dennoch mehr wie Seeleute denn Bergsteiger vor, verursacht durch das viele Herunterhangeln an den dicken Tauen. Das rutschige Geröll unter den Füssen ruft uns aber wieder in die Realität zurück.

Nach einem erfrischenden Drink an der Hütte entscheiden wir uns, wegen der unsicheren Wetterprognose für den kommenden Montag ins Tal abzusteigen und beginnen den Heimweg, der bald im Nebel liegt. Spannend wird es dennoch. Nur ein Bruchteil der Gruppe wird es rechtzeitig auf den Postbus schaffen, und auch dieser nur äusserst knapp. Bei manchen mangelt es an der Fähigkeit, Wegweiser oder Uhren zu lesen, andere leben ihre Urfehden mit automobiler Technik aus. Die meisten treffen sich zwar im Zug wieder, und auch mit einigen der Autofahrer hatte ich inzwischen wieder Mailkontakt.         

Tilman T.


 
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