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Rocky Mountain: Hochtour ohne Eis am Gspaltenhorn
Nach der langweiligen Bahnfahrt rütteln uns im Postbus die
letzten spektakulären Serpentinen vor der Griesalp wieder wach. Urs hat
Riccarda, Christian, Wolfgang, Hans-Ruedi, Martin, Wolfgang, Benno und mich
dabei; Marc hat sich noch für den Abend in der Gspaltenhornhütte angesagt. In
knapp drei Stunden sind wir oben und haben damit das Tagespensum schon
geschafft. Die Hütte ist rappelvoll – gegessen wird in zwei Schichten, an die
100 Schlafplätze und ein Wirtsraum wie ein Wohnzimmer. Sie liegt am
„Börner-Overländ-Trail“; für viele Gäste ist sie das eigentliche Ziel.
Nach ein paar Bierchen oder Weinchen und ein paar Stunden
ganz wohltuendem Schlaf geht es noch bei Dunkelheit über viel loses Geröll auf
den Bütlassesattel, den wir gerade zum Morgengrauen erreichen. Von
Sonnenaufgang ist aufgrund der relativ dichten Bewölkung erst einmal keine
Rede. Noch von Nebel umgeben machen wir uns für den Kletterteil der Tour klar,
wobei es bis auf den „Bösen Tritt“, den Vorgipfel des Gspaltenhorns, nur über
Geröll und mässig steile und wenig exponierte Felsplatten geht. Die Steigeisen bleiben
zunächst, und schliesslich auch für den Rest des Tages, im Rucksack.
Hinter dem „Bösen Tritt“ wird der Grat erstmals schmal,
felsig und exponiert. In leichter Kletterei am kurzen Seil oder, wenn es
steiler ist mit Zwischensicherungen, geht es zunächst wieder 50 Höhenmeter
runter, dann durch eine schmale Furche und schliesslich zunehmend steiler auf
den Gipfel des Gspaltenhorns. Einige Passagen sind mit Fixseilen gesichert, und
an den Kletterstellen befinden sich griffige Taue, so dass sich keine erheblichen
technischen Schwierigkeiten finden. Wir gehen und klettern im Wechsel von
Klettersteigsicherung, kurzem Seil und Vorstiegssicherung. Auf dem Gipfel haben
sich die Wolken weit genug für ein paar schöne Fotos zurückgezogen, sie geben
für einige Momente den Blick zur Jungfrau und in die Blüemlisalp frei. Aber in
den Tälern steht dicker Nebel, wie wir auch auf dem Heimweg noch bemerken
werden.
Auf dem Abstieg heisst es, sich noch mal zu konzentrieren,
denn die Kletterstellen sind runter nicht einfacher zu meistern als rauf. Am
Bütlassesattel kommen sich manche dennoch mehr wie Seeleute denn Bergsteiger
vor, verursacht durch das viele Herunterhangeln an den dicken Tauen. Das
rutschige Geröll unter den Füssen ruft uns aber wieder in die Realität zurück.
Nach einem erfrischenden
Drink an der Hütte entscheiden wir uns, wegen der unsicheren Wetterprognose für
den kommenden Montag ins Tal abzusteigen und beginnen den Heimweg, der bald im
Nebel liegt. Spannend wird es dennoch. Nur ein Bruchteil der Gruppe wird es
rechtzeitig auf den Postbus schaffen, und auch dieser nur äusserst knapp. Bei
manchen mangelt es an der Fähigkeit, Wegweiser oder Uhren zu lesen, andere
leben ihre Urfehden mit automobiler Technik aus. Die meisten treffen sich zwar
im Zug wieder, und auch mit einigen der Autofahrer hatte ich inzwischen wieder
Mailkontakt.
Tilman T.
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